Schreiben Schulsozialpädagoge November 2020

Viele Gefühle und Energien. Die Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mussten wieder verschärft werden und das macht mich sehr traurig. Ich will diese Trauer jetzt nicht in Verzweiflung und Hass ummünzen, sondern in politisches Handeln zum Wohle der Schüler*innen. Aggression sehe ich als wichtige Lebensenergie. Sie kann konstruktiv genutzt werden. Gefühle der Trauer, Orientierungslosigkeit und Ohnmacht in ungerichtete, zerstörerische Energie umzuleiten wirkt jedoch destruktiv. Eine Krise wird nur zur Chance, wenn wir als politische Subjekte verantwortungsvoll handeln. Den Schüler*innen gegenüber werde ich nach Möglichkeiten weiterhin Mut, Freude und Hoffnung zum Ausdruck bringen!

Mein Beratungs- und Begleitungsangebot verlagere ich jetzt zwangsläufig zum allergrößten Teil auf Videofonie und Telefonie. Mit allen Anliegen rund um das Wohlbefinden Ihrer Kinder und auch Ihr eigenes Wohlbefinden können Sie sich bei mir melden. Ich berate und begleite vertraulich, bei Bedarf vermittle ich weitere Unterstützungsangebote.

Damit wir jetzt irgendwie neues Gleichgewicht finden können, ist unsere kreative Solidarität stark gefordert. Als Schulsozialpädagoge schicke ich einige Ansagen, die ich als wichtig erachte und die alle miteinander zusammenhängen:

  1. Zwischenmenschlicher Kontakt? Ja, aber sicher doch
    Werden wir kreativ, um einander zu zeigen, dass wir unsere Beziehung auch pflegen können, wenn wir die nötigen Präventionsmaßnahmen einhalten. Wir müssen in Kontakt bleiben und zugleich aufeinander aufpassen. Oft ist das sehr schwierig, aber wir werden es schaffen, wenn wir das kreativ und liebevoll einüben.Tauschen wir hierzu positive Erfahrungen, Tipps und Ideen aus. Seien wir liebevoll mit uns selbst und mit anderen.
  2. Gesundheit pflegen, körperlich und psychisch/mental

Üben wir im Rahmen der Möglichkeiten Sport, gehen wir an die frische Luft, machen wir Atemübungen, Yoga, Pilates, Meditation, wenn möglich Spaziergänge und Jogging-Runden im Freien, üben wir uns mit allen uns zugänglichen möglichen Methoden im positiven Denken und Handeln. Tauschen wir hierzu positive Erfahrungen, Tipps und Ideen aus. Seien wir liebevoll mit uns selbst und mit anderen.

  1. Nachsicht üben
    Diese Pandemie verschärft bestehende Ungerechtigkeiten. Die Reichtums-Armuts-Schere klafft immer noch weiter auseinander. Sprechen wir darüber! Schauen wir uns um und recherchieren wir: Welche Menschen in unserer Gesellschaft sind jetzt noch stärker von den Einschnitten und Folgeschäden betroffen als ich selbst? Werden wir konkret aktiv und bieten wir nach Möglichkeiten unsere Unterstützung an, diskret und respektvoll, denn der Schutz der Würde muss immer Priorität bleiben! Jede*r von uns hat Ressourcen, die wir solidarisch einsetzen können. Das muss nicht immer Materielles sein. Wir können Höflichkeit und Freundlichkeit üben. Räume des Erzählens und Zuhörens aufmachen. Ein Lächeln erkennen wir auch in den Augen. Erst wenn wir einander wirklich zuhören können wir gemeinsam stark werden. Tauschen wir hierzu positive Erfahrungen, Tipps und Ideen aus. Seien wir liebevoll mit uns selbst und mit anderen. Und achten wir die Privacy und Würde!
  1. Unterstützung suchen, vermitteln, organisieren
    Einige Unterstützungssysteme gibt es. Suchen wir sie, nutzen wir sie, vermitteln wir sie anderen Menschen, die sie womöglich noch nicht kennen. Manche Unterstützungssysteme müssen noch gebaut werden. Kümmern wir uns gemeinsam darum, dass niemand durch das Netz zwischenmenschlicher Fürsorge fällt. Diesbezüglich kann die momentane Krise vielleicht wirklich auch als Chance genutzt werden: zeigen wir Mut zu neuen Bekanntschaften und Beziehungen, zu neuen Bündnissen, zu neuen politischen Forderungen nach gerechter Chancenverteilung.
  2. Zeigen wir auch nachbarschaftliche Zivilcourage gegen Gewalt!
    Einige wichtige Anlaufstellen in Bezug auf Gesundheitsförderung und Gewaltprävention finden Sie hierhttps://www.dubistnichtallein.it/kontakt
  3. Verteilungsgerechtigkeit fordern

Ohne Verteilungsgerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Das momentane Wirtschafts- und Gesellschaftssystem baut auf Diskriminierung und Privilegierung. Chancen und Möglichkeiten sind absolut ungerecht verteilt. Das kann nicht gutgehen. Momentan besitzt das reichste 1% der Weltbevölkerung ca. 44% des weltweiten Vermögens. Auch in Südtirol sind die Klassenunterschiede (Klassismus) fatal im Verbund mit Sexismus und Rassismus. Wo keine gerechte Ressourcenverteilung einkehrt, lässt sich auch kein Frieden halten. Fehlende Investitionen in öffentliche Gesundheit, Bildung und Kultur wirken horrend. Als Erwachsene haben wir die Verantwortung, uns für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, besonders im Hinblick auf die Zukunft der Kinder dieser Erde. Fordern wir Verteilungsgerechtigkeit und reale Chancengleichheit von unseren politischen Vertretungen, von den Parteien, denen wir unsere Unterstützung geben. Schließen wir Bündnisse um diese Forderungen stark zu machen.

Sie können sich mit Fragen und Bedürfnissen rund um das Wohlbefinden ihrer Kinder und ihrer Familie immer bei mir melden. Ich berate und vermittle bei Bedarf weitere Unterstützung. Vergessen Sie ihr eigenes Wohlbefinden nicht! Passen wir auf uns und unsere Liebsten, aber auch auf alle Anderen auf.

Ich wünsche Ihnen Gesundheit und Solidarität!

Mit freundlichen Grüßen
Ivo Passler

Schulsozialpädagoge SSP Meran Obermais
Tel 331 3153103 -   ivo.passler@schule.südtirol.it

Zusatz: Die bisherigen von der der Landesregierung und Landesverwaltung gestalteten Informationskampagnen zur Umsetzung der Präventions- und Sicherheitsmaßnahmen finde ich als Sozialpädagoge defizitär und unangemessen, um Bürger*innen Zielgruppen-gerecht positive Leitlinien dazu mitzugeben, wie zwischenmenschlicher Kontakt trotz der Schutzmaßnahmen noch gestaltet werden kann. Gemeinsam mit mehreren Schulsozialpädagoginnen habe ich diesbezüglich am 3. November einen konstruktiv kritischen Brief unter dem Motto “Zwischenmenschlicher Kontakt? Ja, aber sicher doch.” an die Landesregierung übermittelt. Hauptpunkt ist, dass wir Menschen nicht nur Anleitungen zum Distanzieren brauchen sondern auch Anleitungen dazu, wie jetzt dennoch zwischenmenschlicher Kontakt gepflegt werden kann. Das ist im Sinne der Gesundheitsförderung und Gewaltprävention wesentlich. Der Brief ist bei der Landesregierung angekommen. Als Sozialpädagoge werde ich weiterhin Bündnisse schließen um meine politischen Haltungen geltend zu machen. Das bedeutet auch Einsatz dafür, dass die Betreuung unserer Kinder und Jugendlichen an der Schule möglich gemacht wird. “Fernunterricht” ist in Wirklichkeit Beschulung in der Familie. Sozial benachteiligte Kinder/Jugendliche bleiben dadurch noch weiter auf der Strecke. Ich denke dieser Tatsache müssen besonders wir Männer ins Auge schauen, um daraus Handeln gegen diese diskriminierenden Strukturen abzuleiten: Hausbeschulung bedeutet massiven Druck auf Familien und der trifft gesamtgesellschaftlich unverhältnismäßig Frauen, da unsere Gesellschaft immer noch extrem patriarchal-sexistisch aufgebaut ist. Und Hausbeschulung verstärkt die Diskriminierung aller Kinder/Jugendliche, besonders jener, deren schulische Begleitung zu Hause bereits vor der Pandemie benachteiligt war.

Seien wir mutig und setzen wir uns gegen Diskriminierungen ein, für Chancengerechtigkeit und gerechte Ressourcenverteilung, lokal und weltweit!

Anhänge:
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Schulsozialpädagogik Elternbrief

Schulsozialpädagogik am SSP Meran Obermais

Schuljahr 2020 – 2021

Sehr geehrte Eltern und Erziehungsberechtigte


Ein neues Schuljahr beginnt, mit vielen Neuerungen und Fragezeichen. Die „Corona-Zeit“ hat für uns alle einen Umbruch gebracht. Wir selbst und unsere Familien sind dadurch unterschiedlich schwer belastet. Diese Unsicherheiten und Belastungen wirken auch in unserer Schule.

Als Schulsozialpädagoge sehe ich jetzt noch klarer die Notwendigkeit, eigene Bedürfnisse und Gefühle und die Bedürfnisse und Gefühle meiner Mitmenschen liebevoll zu erforschen, um aufeinander aufpassen und füreinander da sein zu können. Ein reales Risiko ist, dass Menschen die eigene Unsicherheit in Negativität gegenüber Mitmenschen ausdrücken. Das wirkt besonders diskriminierend, wenn eigene „Ängste“ dann einfach auf Mitmenschen abgelassen werden, ohne deren Lebensrealität mitzudenken. „Angst“ darf kein Vorwand sein, um Mitmenschen zu verletzen. Bleiben wir menschlich, bleiben wir intelligent, bleiben wir freundlich und solidarisch!

Wenn es Probleme gibt, braucht es Lösungen und oftmals Begleitung dahin. 
Wo es Konflikte gibt braucht es Konfliktarbeit, um aus Konflikten lernen und daran wachsen zu können. Heuer muss ich meine Arbeit teilweise auch neu strukturieren. Altbewährtes funktioniert jetzt mitunter nicht mehr oder muss an neue Situationen angepasst werden.

Beratung und Begleitungist nach wie vor ein Kernbereich meiner Arbeit:

- Melden Sie sich als Eltern/Erziehungsberechtigte direkt bei mir, wenn Sie Fragen haben, welche das Wohlbefinden ihrer Kinder / unserer Schüler*innen betrifft. 
- Ihre Kinder / unsere Schüler*innen können sich auch direkt bei mir melden. Ermutigen Sie sie bei Bedarf, das auch zu tun. Oder sich sonst Beratung zu holen. Jedenfalls mit den Thema nicht allein zu bleiben, sondern sie mitzuteilen und sich begleiten zu lassen.
- Heuer werde ich jedenfalls verschiedene Beratungswege anbieten: Beratung bei mir im Büro, an den Schulstellen unseres Sprengels oder an sonst einem passenden Ort, den wir vereinbaren. Zudem biete ich auch Telefon- und Videoberatung an, womit ich in der Zeit der „Ausgangssperre“ auch schon Erfahrungen machen konnte.


Zudem werde ich heuer voraussichtlich mehr Elternabende zum themenbezogenen Austauschorganisieren, zur gemeinsamen Fortbildung, zum Stärken von Solidarität.

Ansonsten freue ich mich auch wieder darauf, direkt mit unseren Schüler*innen arbeiten zu dürfen, mit Projektunterricht und in der Begleitung diverser Projekte der Schulsozialarbeit.

Ihren Kindern / unseren Schüler*innen, aber auch uns allen wünsche ich ein wunderschönes Schuljahr in dem wir Positivität üben, füreinander da sind und lernen, aus Herausforderungen gemeinsam zu lernen.


Mit freundlichen Grüßen


Ivo Passler

Schulsozialpädagoge SSP Meran Obermais
Tel. +39 331 3153103 
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Mobbing-Prävention

Mobbingprävention ist an unseren Schulen immer schon wichtig. In jeder Gruppe besteht Mobbing-Risiko, und wir müssen nachhaltig daran arbeiten, unsere Gruppendynamiken heilsam zu gestalten, um Mobbing vorzubeugen und bei Bedarf gezielt gegen Mobbingdynamiken vorzugehen.
Heuer bekommt das Thema neue Dimensionen. Machen wir im Rahmen der Mobbing-Präventionsarbeit ein Rollenspiel. Nehmen Sie sich Zeit, dieses Szenario durchzuspielen:
Ihr Kind wird positiv auf COVID-19 getestet. Nicht nur ihr Kind, sondern die gesamte Schulklasse ihres Kindes muss jetzt in Quarantäne.

- Wie könnten die Familien der Mitschüler*innen auf diese Situation reagieren?
- Welche Reaktion wäre Ihnen am liebsten?

Antworten Sie auf diese Fragen womöglich auch schriftlich, machen Sie sich dazu Ihre Notizen. Gerne können Sie mir die Antworten auf die Fragen, besonders auch auf die zweite Frage, via Email zuschicken. Ich werde sie dann anonymisiert in einen weiteren Brief zur Mobbingprävention einarbeiten.
Haben Sie das Gedankenspiel durchgemacht und sich dafür eingehend Zeit genommen? Dann drehen wir die Situation jetzt um.

Ein*e Mitschüler*in Ihres Kindes wird positiv auf COVID-19 getestet. Nicht nur das Kind, sondern die gesamte Schulklasse muss jetzt in Quarantäne.

- Wie werden Sie in der Situation reagieren? Wie wird Ihre Reaktion auf die Situation des positiv getesteten Kindes wirken?
- Welchen Unterschied machen dabei persönliche Sympathien und Beziehungen zwischen den Familien, aber auch Verhältnisse von Geschlecht/soziale Klasse/ethnische oder sprachliche Identität usw.? 
- Wie möchten Sie reagieren? Was nehmen Sie sich vor?


Kontakt-Arbeit

Wir lernen in Beziehungen. In Beziehung zu anderen Menschen spüren wir uns, spiegeln wir uns, dadurch entwickeln wir unser Mensch-Sein. In Berührung mit Dingen, Materialien, Objekten, Wesen nehmen wir uns selbst wahr, formen wir unsere Fähigkeiten und Charakterzüge. Durch die CORONA-Präventionsauflagen müssen heuer die Möglichkeiten der Beziehungsarbeit in der Schule neu ausgelotet und aufgebaut werden. Bewegungsmöglichkeiten werden eingeschränkt, dadurch auch Kontaktmöglichkeiten. Wenngleich an der Schule bestmöglich investiert wird, um diese Einschränkungen auszugleichen, so ist jedenfalls auch das Zusammenspiel mit den Familien gefordert, um die Wichtigkeit von positivem, gewaltfreiem Kontakt und Berührung zu Erkennen und unsere Kinder dementsprechend zu fördern. Sonst passiert es, dass sich besonders auch soziale gesellschaftliche Gräben vertiefen. Denn die Schule ist ja ein Ort, wo sich Kinder verschiedener Gesellschaftsgruppen treffen und miteinander in Kontakt gehen. Auch Menschen, die sonst vielleicht gar nie persönlich in positiven Austausch kommen würden, die sich kaum grüßen würden, keine positiven Kontaktflächen miteinander hätten. Wenn wir den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt stärken wollen, dann müssen wir besonders auch jetzt bewusst darin investieren, dass positiver Kontakt weiterhin entstehen kann, in und außerhalb von Schule. Kontakt, der gesellschaftliche Gräben überwindet. Dazu müssen wir gemeinsam kreativ sein.


Melden Sie sich bei Bedarf oder bei Interesse bei mir, um diese und andere Themen der Schulsozialarbeit zu vertiefen!

Ivo Passler

Schulsozialpädagoge SSP Meran Obermais
Tel. +39 331 3153103 
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Schulsozialpädagoge - Botschaft zum Jahresabschluss

Liebe Alle,

mit besten Grüßen schicke ich euch zum Schul-Jahresabschluss diese Videobotschaft:

https://youtu.be/E1xGlJgRjL0

 

Schönen Sommer wünscht euch euer Schulsozialpädagoge

Ivo Passler

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Tel. 331 3153103

 

wichtige Unterstützungs Adressen

corona-krise

Hilfe für die Seele

Südtirol hat ein landesweites Netzwerk aufgestellt, um den Menschen bei der Bewältigung der psychischen Folgeerscheinungen der aktuellen Ausnahmesituation zu helfen.
 
Psychohilfe Covid 19, ist ein vom Südtiroler Sanitätsbetrieb ausgehendes Netzwerk zur kompetenten Begleitung,  psychologischen Beratung und therapeutischen Behandlung der Menschen in Zeiten des Lockdown. Man will damit den durch die Coronakrise auftretenden psychischen Folgeschwierigkeiten entgegenwirken, die in den nächsten Wochen durch die Ansteckungsgefahr, die rigorose Ausgangssperre und Vermeidung direkter Begegnungen zwischen Menschen, die notwendigen Hygienemaßnahmen und das Herunterfahren der Wirtschaft auftreten werden. 
 
 
 
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Der Landesbeirat für Chancengleichheit startet eine Kampagne gegen Gewalt an Frauen.
"Wehrt Euch! Es gibt Hilfe-"
lautet der Aufruf.
 
In der derzeitigen Ausnahmesituation und aufgrund der einschränkenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie droht ein Anstieg der häuslicheGewalt. Angesichts der Ausgangsbeschränkungen sind Frauen in den eigenen vier Wänden vermehrt Gewaltsituationen ausgesetzt. Frauenverbände- und organisationen schlagen italienweit Alarm und appellieren an die Opfer, sich zur Wehr zu setzen und Gewalt auch in dieser Ausnahmesituation nicht einfach hinzunehmen.
 
 
 
gegen gewalt an frauen
 
 
 

#ichbleibezuhause - Elternbrief vom Sozialpädagogen

 Werte Eltern.

Von #ichbleibedaheim aus schicke ich diesen Brief um einen konstruktiven Beitrag zu leisten in dieser schwierigen Zeit. 

 

Unten finden Sie Reflexionen aus meiner Perspektive als Sozialpädagoge, besonders aber auch die Adressen für Beratungs- und Hilfsangebote! 

Melden Sie sich bei Bedarf. Unterstützung sichern ist kein Zeichen von Schwäche, sondern gehört zur Übernahme von Verantwortung. 

Mit freundlichen Grüßen wünsche ich Ihnen und uns allen heilsame Kraft und Besinnung auf das Wesentliche, Hoffnung, Mut, Liebe und Solidarität. 

Ivo Passler

Schulsozialpädagoge SSP Meran Obermais

Tel +39 331 3153103         


Betreff: Gleichgewicht finden | Unterstützung sichern | Werte und “Herrschaften” | Solidarität üben | Hilfsangebot für Frauen in Gewaltsituationen | Was Kinder brauchen


Gleichgewicht finden

Daheim zu bleiben und soziale Kontakte stark zu reduzieren ist für die meisten von uns eine große Herausforderung. Unsere Bewegungsfreiheit ist jetzt für viele von uns in ungewohnter Weise stark eingeschränkt. Zudem haben viele von uns jetzt starke und teilweise sehr reale/berechtigte Zukunftssorgen und -ängste.

Das ist eine unbekannte neue Situation und wir müssen versuchen, jetzt neue Gleichgewichte in uns selbst und in unserer Familie zu suchen und zu finden. 

Das Risiko, dass die Nerven überstrapaziert werden und zwischenmenschliche Verletzungen in der Familie passieren, ist jetzt auch erhöht. Gerade jetzt gilt es Wege zu finden, unsere Bedürfnisse, Sorgen und Ängste auszudrücken, einander zuzuhören und ernst zu nehmen. Gewaltfrei und liebevoll!


Unterstützung sichern 

Auch wenn unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, so können wir uns bei Bedarf doch Unterstützung und Hilfe sichern. Unterstützung und Hilfe sichern ist ein Zeichen von gesundem Verantwortungsbewusstsein.

 

Als Schulsozialpädagoge biete ich all unseren Kindern/Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen in Bezug auf alle persönlichen Belange weiterhin vertrauliche Erstberatungs-Gespräche, über Telefon u/o Videotelefonie.

 

Sagen Sie das bitte auch nochmal Ihren Kindern weiter! Ich freue mich wenn sie mich anrufen wollen, auch gerne nur auf einen "Ratscher" mit ihrem Schulsozialpädagogen;) 

 

Ivo Passler

 

Tel +39 331 3153103         


Werte und “Herrschaften”

Es ist finde ich höchste Zeit zu reflektieren, wie sehr unsere weltweiten Krisen mit einem zerstörerischen Modell von “Herrschaft” zu tun haben. Für uns alle, aber besonders auch für viele von uns Männern ist es an der Zeit, unsere Position in der Familie und dementsprechend auch in der weiteren Gesellschaft neu, gewaltfrei und liebevoll zu verhandeln und zu finden. Dafür können wir uns jetzt besonders einsetzen. 

Auch wenn wir bislang der Überzeugung sind, zu den “guten” Männern zu gehören: wenn wir in unserer Gesellschaft nicht ein grundlegendes und strukturelles Machtproblem hätten, das sich auch besonders in (männlich geprägter) Gewalt ausdrückt, dann wären die Schutzhäuser für Frauen nicht notwendig und es gäbe nicht all die Feminizide, die wir oft einfach schnell aus dem Bewusstsein streichen. 

Denken wir darüber nach, was “Herrschaft” mit Unterdrückung und Ausbeutung weltweit zu tun hat. 

Im Projektunterricht habe ich dazu unter anderem  diesen Trailer zum Doku Film ERDE verwendet, besonders das Zitat vom Bergwerk-Arbeiter zu Beginn des Trailers:

https://www.youtube.com/watch?v=EUk9U_tLZG4&t=28s

Diese Überlegungen finde ich wesentlich, wenn jetzt in Zeiten verschärfter “Krise” Menschen teilweise wieder vermehrt einen Spitzel-Staat fordern, sich emotionell einbunkern, Gewalt an Grenzen legitimieren und fordern und nur mehr mit Tunnelblick denken. Das erinnert gefährlich an Geschichten unserer Großeltern, die auch in Südtirol offensichtlich vielfach noch überhaupt nicht durchgearbeitet wurden. Die Geschichten die wir nicht erzählen und die Verletzungen die wir nicht heilen… leider wiederholen wir die Fehler der Geschichte viel zu oft! 

Es liegt an uns, Gewaltspiralen zu unterbrechen.

Wenn wir nicht wissen, wie wir Gewaltfreiheit und Liebe üben sollen:

für alle von uns die Zugang zu Google und Youtube haben gibt es keine Ausreden. Suche nach “Gewaltfreiheit und Liebe”. 

[Für machtkritische Überlegungen erkunde besonders in dieser Zeit der “viralen Krise” zum Beispiel die Arbeiten von Naomi Klein.]


Solidarität üben

In dieser schwierigen Zeit haben schon viele Menschen in Südtirol gezeigt, dass sie bereit sind, sich solidarisch zu zeigen. Etwa mit dem Personal unserer Krankenhäuser, wo sich viele Menschen hohen persönlichen Risiken aussetzen, um Anderen zu helfen.

Wenn wir heute Solidarität üben, denken wir daran, dass diese Pandemie alle Menschen weltweit trifft, aber nicht alle Menschen in gleichem Maße. Manche sozialen Gruppen sind besonders betroffen. Menschen, die in unserer Welt-Gesellschaft bereits benachteiligt waren, sind jeder “Krise” besonders ausgesetzt. 

Menschen im sogenannten “globalen Süden” (Ex-Kolonialgebiete Europas), arme Menschen, Obdachlose, Menschen in Haftanstalten, kranke Menschen, Alte, Menschen die persönlich von Rassismus betroffen sind, Frauen …

Im internationalen Vergleich sind manche Länder besonders verletzlich, etwa weil es große Ballungszentren gibt wo Selbst-Isolation sehr schwer durchführbar ist, oder weil die Sanitäts-Systeme sehr unterfinanziert sind, oder weil viele Menschen sich Selbst-Isolation einfach ökonomisch nicht leisten können...

Wenn wir Solidarität üben, denken wir besonders auch an die Menschen, die noch verletzlicher sind als wir selbst!

Üben wir Solidarität von den Rändern der Gesellschaft her! In manchen Städten der Welt (Kalifornien/Oakland) wurden Hotels angemietet, um obdachlosen Menschen die Selbst-Isolation zu ermöglichen. Vielleicht wird da endlich klar, dass würdiges Wohnen ein gesichertes Grundrecht sein muss! Und in Südtirol? Wie viele Menschen leben in Bozen noch auf der Straße!??

Jetzt ist ein Moment um einzusehen, dass die Erde wirklich rund ist und wir als Menschen, als Lebewesen alle miteinander verbunden sind. Es darf uns nicht mehr “kalt lassen”, wenn unsere Nachbar*innen von Schicksalsschlägen betroffen sind. Wir müssen einsehen, dass die extremen Armuts- und Reichtums-Scheren in unserer Weltbevölkerung ins Desaster führen.

Üben wir Solidarität. Nehmen wir wenn dann uns selbst zurück, anstatt Andere, schwächere Glieder der Gesellschaft auszugrenzen! Fordern wir Solidaritätsbeiträge in erster Linie nicht von Menschen, die gesellschaftlich bereits diskriminiert/ausgegrenzt werden, sondern besonders von den Menschen, die stark privilegiert sind. 

Während wir mit dem Coronavirus ringen, sind in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 6000 Menschen an einer Masern-Epidemie verstorben. Großteils Kinder. Aufgrund von Mangel an Impfstoff. Denke wir darüber nach. Was die Armut im Kongo mit dem Coltan in unserem Handy zu tun hat…

Das bedeutet nicht, dass unsere Probleme zweitrangig sind. Aber wir sind alle auf demselben Planeten. Und erst wenn ALLE Menschen dieser Erde ein würdiges Leben leben können, können wir wirklich von eingelöster Menschheit und Menschlichkeit sprechen. Bis dahin gilt es, Solidarität zu üben. Besonders mit den am stärksten Betroffenen.


Gewalt an Frauen - Beratungs- und Unterstützungsangebote in Südtirol

Gewalt an Frauen passiert in Südtirol jeden Tag. Sie kann körperlicher, psychischer, sexueller oder ökonomischer Art sein. Die betroffenen Frauen haben häufig Angst, sind unter Druck oder fühlen sich hilflos.

Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, erleben derzeit eine besondere Belastungs- und Risikosituation.

In Südtirol gibt es kostenlose und anonyme Beratungs- und Unterstützungsangebote an die sich Betroffene wenden können:

Bozen – GEA Kontaktstelle gegen Gewalt: 800 276 433 (24h)

Bozen – Haus der geschützten Wohnungen: 800 892 828 (24h)

Meran – Frauen gegen Gewalt: 800 014 008 (24h)

Brixen – Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen: 800 601 330 (24h)

Bruneck – Frauenhausdienst: 800 310 303 (Bürozeiten)

 

Europäische Notrufnummer: 112 (24h)

Italienweit – Notrufnummer für Opfer von Gewalt und Stalking: 1522 (24h)

Beratungseinrichtungen für Männer:  Caritas Männerberatung: 0471 324649


Was Kinder brauchen

Im Internet finden wir viele Möglichkeiten zu recherchieren:

  • Meditationsübungen für Kinder, Jugendliche, Erwachsene

  • Bastelideen die wenig Materialien benötigen

  • Gymnastik-Übungen für zu Hause

Falls Sie Ideen brauchen, melden Sie sich bei mir ! Ich kann auch von zu Hause aus mit überlegen und Ideen und Anleitungen schicken…

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Das neuartige Coronavirus verunsichert nicht nur uns Erwachsene, sondern auch unsere Kinder. Auch sie haben Fragen, Ängste und Sorgen. Kinder können anhänglich und ängstlich, aber auch ärgerlich und unruhig reagieren. Was brauchen unsere Kinder jetzt und was können wir Eltern für sie tun:

  •     Versucht, ruhig zu bleiben – Kinder haben feine Antennen und nehmen vieles aus ihrer Umgebung wahr. Ruhige Eltern vermitteln Sicherheit.

  • Nehmt die Fragen, Ängste und Sorgen eurer Kinder ernst und sprecht mit ihnen darüber. Kinder wollen wissen, worum es geht und erwarten sich altersgerechte Antworten auf ihre Fragen.

  •     Verbringt viel Zeit mit euren Kindern und lasst ihnen Raum zum Spielen und zum Vergessen. Schenkt ihnen Aufmerksamkeit und Liebe.

  •     Behaltet Alltagsroutinen und Rituale bei oder schafft neue – auch das gibt Sicherheit.

  •     Besprecht die Sicherheitsmaßnahmen mit euren Kindern und setzt sie gemeinsam im Alltag um.

  • Konfliktthema Hausaufgaben: Hausaufgaben sollen keine zusätzliche Stress- und Streitquelle werden. Baut Hausaufgaben soweit wie möglich in die neue Alltagsroutine ein, aber konzentriert euch vor allem darauf, eine gute Zeit mit euren Kindern zu verbringen.

(von www.forum-p.it