wichtige Unterstützungs Adressen

corona-krise

Hilfe für die Seele

Südtirol hat ein landesweites Netzwerk aufgestellt, um den Menschen bei der Bewältigung der psychischen Folgeerscheinungen der aktuellen Ausnahmesituation zu helfen.
 
Psychohilfe Covid 19, ist ein vom Südtiroler Sanitätsbetrieb ausgehendes Netzwerk zur kompetenten Begleitung,  psychologischen Beratung und therapeutischen Behandlung der Menschen in Zeiten des Lockdown. Man will damit den durch die Coronakrise auftretenden psychischen Folgeschwierigkeiten entgegenwirken, die in den nächsten Wochen durch die Ansteckungsgefahr, die rigorose Ausgangssperre und Vermeidung direkter Begegnungen zwischen Menschen, die notwendigen Hygienemaßnahmen und das Herunterfahren der Wirtschaft auftreten werden. 
 
 
 
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Der Landesbeirat für Chancengleichheit startet eine Kampagne gegen Gewalt an Frauen.
"Wehrt Euch! Es gibt Hilfe-"
lautet der Aufruf.
 
In der derzeitigen Ausnahmesituation und aufgrund der einschränkenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie droht ein Anstieg der häuslicheGewalt. Angesichts der Ausgangsbeschränkungen sind Frauen in den eigenen vier Wänden vermehrt Gewaltsituationen ausgesetzt. Frauenverbände- und organisationen schlagen italienweit Alarm und appellieren an die Opfer, sich zur Wehr zu setzen und Gewalt auch in dieser Ausnahmesituation nicht einfach hinzunehmen.
 
 
 
gegen gewalt an frauen
 
 
 

#ichbleibezuhause - Elternbrief vom Sozialpädagogen

 Werte Eltern.

Von #ichbleibedaheim aus schicke ich diesen Brief um einen konstruktiven Beitrag zu leisten in dieser schwierigen Zeit. 

 

Unten finden Sie Reflexionen aus meiner Perspektive als Sozialpädagoge, besonders aber auch die Adressen für Beratungs- und Hilfsangebote! 

Melden Sie sich bei Bedarf. Unterstützung sichern ist kein Zeichen von Schwäche, sondern gehört zur Übernahme von Verantwortung. 

Mit freundlichen Grüßen wünsche ich Ihnen und uns allen heilsame Kraft und Besinnung auf das Wesentliche, Hoffnung, Mut, Liebe und Solidarität. 

Ivo Passler

Schulsozialpädagoge SSP Meran Obermais

Tel +39 331 3153103         


Betreff: Gleichgewicht finden | Unterstützung sichern | Werte und “Herrschaften” | Solidarität üben | Hilfsangebot für Frauen in Gewaltsituationen | Was Kinder brauchen


Gleichgewicht finden

Daheim zu bleiben und soziale Kontakte stark zu reduzieren ist für die meisten von uns eine große Herausforderung. Unsere Bewegungsfreiheit ist jetzt für viele von uns in ungewohnter Weise stark eingeschränkt. Zudem haben viele von uns jetzt starke und teilweise sehr reale/berechtigte Zukunftssorgen und -ängste.

Das ist eine unbekannte neue Situation und wir müssen versuchen, jetzt neue Gleichgewichte in uns selbst und in unserer Familie zu suchen und zu finden. 

Das Risiko, dass die Nerven überstrapaziert werden und zwischenmenschliche Verletzungen in der Familie passieren, ist jetzt auch erhöht. Gerade jetzt gilt es Wege zu finden, unsere Bedürfnisse, Sorgen und Ängste auszudrücken, einander zuzuhören und ernst zu nehmen. Gewaltfrei und liebevoll!


Unterstützung sichern 

Auch wenn unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, so können wir uns bei Bedarf doch Unterstützung und Hilfe sichern. Unterstützung und Hilfe sichern ist ein Zeichen von gesundem Verantwortungsbewusstsein.

 

Als Schulsozialpädagoge biete ich all unseren Kindern/Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen in Bezug auf alle persönlichen Belange weiterhin vertrauliche Erstberatungs-Gespräche, über Telefon u/o Videotelefonie.

 

Sagen Sie das bitte auch nochmal Ihren Kindern weiter! Ich freue mich wenn sie mich anrufen wollen, auch gerne nur auf einen "Ratscher" mit ihrem Schulsozialpädagogen;) 

 

Ivo Passler

 

Tel +39 331 3153103         


Werte und “Herrschaften”

Es ist finde ich höchste Zeit zu reflektieren, wie sehr unsere weltweiten Krisen mit einem zerstörerischen Modell von “Herrschaft” zu tun haben. Für uns alle, aber besonders auch für viele von uns Männern ist es an der Zeit, unsere Position in der Familie und dementsprechend auch in der weiteren Gesellschaft neu, gewaltfrei und liebevoll zu verhandeln und zu finden. Dafür können wir uns jetzt besonders einsetzen. 

Auch wenn wir bislang der Überzeugung sind, zu den “guten” Männern zu gehören: wenn wir in unserer Gesellschaft nicht ein grundlegendes und strukturelles Machtproblem hätten, das sich auch besonders in (männlich geprägter) Gewalt ausdrückt, dann wären die Schutzhäuser für Frauen nicht notwendig und es gäbe nicht all die Feminizide, die wir oft einfach schnell aus dem Bewusstsein streichen. 

Denken wir darüber nach, was “Herrschaft” mit Unterdrückung und Ausbeutung weltweit zu tun hat. 

Im Projektunterricht habe ich dazu unter anderem  diesen Trailer zum Doku Film ERDE verwendet, besonders das Zitat vom Bergwerk-Arbeiter zu Beginn des Trailers:

https://www.youtube.com/watch?v=EUk9U_tLZG4&t=28s

Diese Überlegungen finde ich wesentlich, wenn jetzt in Zeiten verschärfter “Krise” Menschen teilweise wieder vermehrt einen Spitzel-Staat fordern, sich emotionell einbunkern, Gewalt an Grenzen legitimieren und fordern und nur mehr mit Tunnelblick denken. Das erinnert gefährlich an Geschichten unserer Großeltern, die auch in Südtirol offensichtlich vielfach noch überhaupt nicht durchgearbeitet wurden. Die Geschichten die wir nicht erzählen und die Verletzungen die wir nicht heilen… leider wiederholen wir die Fehler der Geschichte viel zu oft! 

Es liegt an uns, Gewaltspiralen zu unterbrechen.

Wenn wir nicht wissen, wie wir Gewaltfreiheit und Liebe üben sollen:

für alle von uns die Zugang zu Google und Youtube haben gibt es keine Ausreden. Suche nach “Gewaltfreiheit und Liebe”. 

[Für machtkritische Überlegungen erkunde besonders in dieser Zeit der “viralen Krise” zum Beispiel die Arbeiten von Naomi Klein.]


Solidarität üben

In dieser schwierigen Zeit haben schon viele Menschen in Südtirol gezeigt, dass sie bereit sind, sich solidarisch zu zeigen. Etwa mit dem Personal unserer Krankenhäuser, wo sich viele Menschen hohen persönlichen Risiken aussetzen, um Anderen zu helfen.

Wenn wir heute Solidarität üben, denken wir daran, dass diese Pandemie alle Menschen weltweit trifft, aber nicht alle Menschen in gleichem Maße. Manche sozialen Gruppen sind besonders betroffen. Menschen, die in unserer Welt-Gesellschaft bereits benachteiligt waren, sind jeder “Krise” besonders ausgesetzt. 

Menschen im sogenannten “globalen Süden” (Ex-Kolonialgebiete Europas), arme Menschen, Obdachlose, Menschen in Haftanstalten, kranke Menschen, Alte, Menschen die persönlich von Rassismus betroffen sind, Frauen …

Im internationalen Vergleich sind manche Länder besonders verletzlich, etwa weil es große Ballungszentren gibt wo Selbst-Isolation sehr schwer durchführbar ist, oder weil die Sanitäts-Systeme sehr unterfinanziert sind, oder weil viele Menschen sich Selbst-Isolation einfach ökonomisch nicht leisten können...

Wenn wir Solidarität üben, denken wir besonders auch an die Menschen, die noch verletzlicher sind als wir selbst!

Üben wir Solidarität von den Rändern der Gesellschaft her! In manchen Städten der Welt (Kalifornien/Oakland) wurden Hotels angemietet, um obdachlosen Menschen die Selbst-Isolation zu ermöglichen. Vielleicht wird da endlich klar, dass würdiges Wohnen ein gesichertes Grundrecht sein muss! Und in Südtirol? Wie viele Menschen leben in Bozen noch auf der Straße!??

Jetzt ist ein Moment um einzusehen, dass die Erde wirklich rund ist und wir als Menschen, als Lebewesen alle miteinander verbunden sind. Es darf uns nicht mehr “kalt lassen”, wenn unsere Nachbar*innen von Schicksalsschlägen betroffen sind. Wir müssen einsehen, dass die extremen Armuts- und Reichtums-Scheren in unserer Weltbevölkerung ins Desaster führen.

Üben wir Solidarität. Nehmen wir wenn dann uns selbst zurück, anstatt Andere, schwächere Glieder der Gesellschaft auszugrenzen! Fordern wir Solidaritätsbeiträge in erster Linie nicht von Menschen, die gesellschaftlich bereits diskriminiert/ausgegrenzt werden, sondern besonders von den Menschen, die stark privilegiert sind. 

Während wir mit dem Coronavirus ringen, sind in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 6000 Menschen an einer Masern-Epidemie verstorben. Großteils Kinder. Aufgrund von Mangel an Impfstoff. Denke wir darüber nach. Was die Armut im Kongo mit dem Coltan in unserem Handy zu tun hat…

Das bedeutet nicht, dass unsere Probleme zweitrangig sind. Aber wir sind alle auf demselben Planeten. Und erst wenn ALLE Menschen dieser Erde ein würdiges Leben leben können, können wir wirklich von eingelöster Menschheit und Menschlichkeit sprechen. Bis dahin gilt es, Solidarität zu üben. Besonders mit den am stärksten Betroffenen.


Gewalt an Frauen - Beratungs- und Unterstützungsangebote in Südtirol

Gewalt an Frauen passiert in Südtirol jeden Tag. Sie kann körperlicher, psychischer, sexueller oder ökonomischer Art sein. Die betroffenen Frauen haben häufig Angst, sind unter Druck oder fühlen sich hilflos.

Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, erleben derzeit eine besondere Belastungs- und Risikosituation.

In Südtirol gibt es kostenlose und anonyme Beratungs- und Unterstützungsangebote an die sich Betroffene wenden können:

Bozen – GEA Kontaktstelle gegen Gewalt: 800 276 433 (24h)

Bozen – Haus der geschützten Wohnungen: 800 892 828 (24h)

Meran – Frauen gegen Gewalt: 800 014 008 (24h)

Brixen – Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen: 800 601 330 (24h)

Bruneck – Frauenhausdienst: 800 310 303 (Bürozeiten)

 

Europäische Notrufnummer: 112 (24h)

Italienweit – Notrufnummer für Opfer von Gewalt und Stalking: 1522 (24h)

Beratungseinrichtungen für Männer:  Caritas Männerberatung: 0471 324649


Was Kinder brauchen

Im Internet finden wir viele Möglichkeiten zu recherchieren:

  • Meditationsübungen für Kinder, Jugendliche, Erwachsene

  • Bastelideen die wenig Materialien benötigen

  • Gymnastik-Übungen für zu Hause

Falls Sie Ideen brauchen, melden Sie sich bei mir ! Ich kann auch von zu Hause aus mit überlegen und Ideen und Anleitungen schicken…

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Das neuartige Coronavirus verunsichert nicht nur uns Erwachsene, sondern auch unsere Kinder. Auch sie haben Fragen, Ängste und Sorgen. Kinder können anhänglich und ängstlich, aber auch ärgerlich und unruhig reagieren. Was brauchen unsere Kinder jetzt und was können wir Eltern für sie tun:

  •     Versucht, ruhig zu bleiben – Kinder haben feine Antennen und nehmen vieles aus ihrer Umgebung wahr. Ruhige Eltern vermitteln Sicherheit.

  • Nehmt die Fragen, Ängste und Sorgen eurer Kinder ernst und sprecht mit ihnen darüber. Kinder wollen wissen, worum es geht und erwarten sich altersgerechte Antworten auf ihre Fragen.

  •     Verbringt viel Zeit mit euren Kindern und lasst ihnen Raum zum Spielen und zum Vergessen. Schenkt ihnen Aufmerksamkeit und Liebe.

  •     Behaltet Alltagsroutinen und Rituale bei oder schafft neue – auch das gibt Sicherheit.

  •     Besprecht die Sicherheitsmaßnahmen mit euren Kindern und setzt sie gemeinsam im Alltag um.

  • Konfliktthema Hausaufgaben: Hausaufgaben sollen keine zusätzliche Stress- und Streitquelle werden. Baut Hausaufgaben soweit wie möglich in die neue Alltagsroutine ein, aber konzentriert euch vor allem darauf, eine gute Zeit mit euren Kindern zu verbringen.

(von www.forum-p.it

 

Streitschlichtung an unserer Grundschule - Leitfaden für Lehrpersonen

Streitschlichtung zwischen Schülerinnen ist eine Form der autonomen Konfliktmediation zwischen Kindern.

Ziel der Streitschlichtung ist es, dass die Konfliktparteien sich wieder vertragen > also einen neuen Verhaltens-Vertrag schließen.

Die Streitschlichtung begleitet in mehreren Schritten zu diesem Vertrag: (1) Schilderungen der Vorfälle abgleichen; (2) Gefühle reflektieren; (3) Vorhaben formulieren;(4)  Vertrag schließen

Unsere Streitschlichterinnen führen Streitschlichtungen in der Pause durch.

Streitschlichtungen müssen von der Streitschlichterin bei den Lehrerinnen der Pausenaufsicht gemeldet werden. Diese klären mit der Streitschlichterin ab, wer alles mitkommen darf (nur die Betroffenen!) und ob der Zeitrahmen günstig ist und die Streitschlichtung noch im Rahmen der Pausenzeit durchgeführt werden kann

Falls zu Überziehungen der Pausenzeit kommen kann, muss die Streitschlichterin im Vorfeld mit den Lehrerinnen der Pausenaufsicht klären:

  • ob das für die Lehrpersonen der Folgestunden passt
  • wer die Schülerinnen dann in die Klassen zurück begleitet
  • dass die Streitschlichtung an einem anderen Moment durchgeführt wird (z.B. am Folgetag)
  • dass erst von den Lehrerinnen erst eine Einzelarbeit aufgetragen wird (eine mögliche Vorlage findet ihr im Anhang bzw. kann ich sie euch immer ausdrucken)

Der Ort der Streitschlichtung ist hinter und im Atrium. Hier können maximal zwei Mediationen parallel stattfinden. Falls mehr Anfragen parallel kommen > auf den Folgetag verschieben oder vorbereitende Einzelarbeit auftragen (dazu gibt es eine Vorlage)

Streitschlichterinnen MÜSSEN NICHT ALLE KONFLIKTE SCHLICHTEN.

Sie sollten hingegen im Stande sein, Streitschlichtungen nicht anzunehmen oder abzubrechen, wenn:

  • Kinder sich nicht an die Regeln der Streitschlichtung halten
  • die Streitschlichterin spürt dass sie diesen Konflikt nicht bearbeiten kann

Dann sollte der Fall an die Lehrpersonen übergeben werden. Was können Lehrerinnen dann tun?

  • Selbst eine Mediation durchführen
  • Mit den Kindern klar vereinbaren, dass der Fall in einem anderen Moment/Rahmen nachbearbeitet wird. Klare Vereinbarung ist dazu wichtig, damit sie die Sicherheit haben, dass die Sache nicht bagatellisiert oder verdrängt wird
  • Den Fall an mich als Schulsozialpädagoge weiterleiten
  • Den Kindern als ersten Teil der Konfliktarbeit eine Hausaufgabe mitgeben (eine mögliche Vorlage findet ihr im Anhang bzw. kann ich sie euch immer ausdrucken)

Die Konfliktarbeit ist ein sehr wichtiges Lernfeld sozialen Lernens. Gemeinsam können wir Rahmen schaffen, in denen unsere Kinder Sozialkompetenzen entwickeln.

Danke für die Zusammenarbeit und liebe Grüße, für Rückfragen oder Rückmeldungen könnt ihr mich immer kontaktieren

Ivo Passler

Schulsozialpädagoge SSP Meran Obermais                                                                    
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Anhänge:
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Ideenpool - pädagogische Maßnahmen bei Übergriffen / Regelverstößen

Zu "Regeln formulieren" gibt es ja viel Literatur. Prinzipiell gilt: die Regel, auf welche sich die Maßnahme bezieht, sollte transparent, explizit und verständlich sein. Kurz, klar und positiv formuliert.

Wir wollen niemanden schlagen!  
ist dabei weniger eine Regel als ein schwach/implizit formuliertes Verbot
Wir schlagen nicht!             
Ist immer noch ein Nein!-Gebot, also nicht positiv lenkend. Es ist noch ein Verbot. Aber schon klarer formuliert, oder?
Wir behandeln uns und andere so achtsam, dass wir niemanden verletzen!
Ist positiv und klar, oder?

Behandle dich und andere so achtsam, dass du niemanden verletzt!
Ist jetzt auch noch Ich-Bezogen. So ist die Regel auch als Sozialziel wirksam.

Wo ist die Regel im Alltag sichtbar/präsent? Gibt es in der Klasse ein Plakat dazu? Kann die Lehrperson jederzeit darauf verweisen? Hat das Kind öfters Schwierigkeiten, diesen Leitsatz zu befolgen? Kann/sollte die Regel für dieses Kind deshalb besonders hervorgehoben werden? Wie machen wir das?

Bei der Bearbeitung von Konflikten gilt der Dreischritt:

Bewusstwerdung/Wahrnehmung >> Wiedergutmachung >> Entschuldigung

Bewusstwerdung/Wahrnehmung

Oft passieren Verletzungen, und den Akteur*innen ist gar nicht bewusst, dass ihr Handeln verletzt. Da braucht es eine Hinführung zur Wahr_Nehmung. Erst dann kann ich Verantwortung für mein Handeln übernehmen und auch andere Handlungsmuster einüben oder Wiedergutmachung einleiten.

Maßnahmenpool:

  • Gruppenleiter*innen holen den Bericht der verletzten Person ein und konfrontieren dann die „Täter*in“ in Einzelberatung mit dem Bericht.

    Nachfragen: Wie hast du das wahrgenommen? Kannst du die Gefühle der anderen Person nachvollziehen? (Woran) Hast du bemerkt, dass die andere Person verletzt wurde / sich nicht wohl gefühlt hat? Jetzt da du weißt, was dein Handeln ausgelöst hat: Wie geht es dir jetzt damit? Was könnten nächste Schritte sein? Was könnten Schritte sein, damit solche Verletzungen sich nicht mehr wiederholen? Was könnten Schritte sein, um die Verletzungen zu heilen?

  • Streitschlichtung / Mediation: Unter Begleitung von Mediator*innen erklären sich zwei Konfliktparteien gegenseitig ihre Wahrnehmungen zu einem Konflikt: wie sie das Geschehen wahrgenommen haben >> welche Gefühle sie dabei begleiteten >> welche Vorschläge sie zur Wiedergutmachung und Entschuldigung haben. Wiedergutmachungen und Entschuldigungen werden organisiert. Gemeinsam wird ein neuer Vertrag für das zukünftige Zusammenleben formuliert und abgeschlossen.

  • Theatermethoden/Rollenspiele: Die Konfliktparteien tun sich schwer, den realen Konflikt / die reale Verletzung zu bearbeiten. Wir spielen den Konflikt deshalb nach und reflektieren/bearbeiten ihn dann auf dieser Parallel-Ebene 

Wiedergutmachungen

Wenn es uns darum geht, Konflikte zwischen Kinder zu bearbeiten, dann erörtern wir zunächst die Bedürfnisse der Geschädigten! Wir unterstützen erst einmal die geschädigte/verletzte Person und stehen ihr zur Seite. Wir machen für sie einen nachhaltigen Schutzraum auf. Wir schauen, ob sie eine Wiedergutmachung braucht/wünscht, und was sie für die Wiedergutmachung/Heilung braucht.

Manchmal geht es uns aber nicht primär um Wiedergutmachung gegenüber geschädigten Personen, sondern um Menschen dahin zu führen, Regeln wahrzunehmen, anzunehmen und sich an ihnen zu orientieren. Etwa indem wir die Verhaltensregeln in der Schulgemeinschaft einüben, für die wir pädagogische Begleitpersonen als Garant*innen einstehen.

 

Entschuldigung

Wenn Wiedergutmachung organisiert ist, die Konfliktparteien sich wieder „vertragen“ – also einen Vertrag des Umgangs miteinander vereinbaren – dann kann eine Geste der Entschuldigung stattfinden.

Was braucht die geschädigte Person dazu? Oft das Aussprechen der Entschuldigung: „Ich bitte dich um Entschuldigung“. „Ja, ich nehme die Entschuldigung an“.

 

Ideenpool Maßnahmen

Wenn wir einen reichhaltigen Pool an Ideen haben, können wir in der Wahl der Maßnahmen variieren und evaluieren, was wann wie funktioniert…

  • Geh für 5 Minuten auf den Nachdenkplatz (wo ist der Nachdenkplatz? Wo die Schüler*in sich ganz in die Einzelarbeit vertiefen kann, möglichst reizreduziert, ohne Ablenkungen?), lies dir die Regel gut durch.

      • Überlege dir, wo dein Verhalten mit dieser Regel in Konflikt geraten ist;
      • Überlege dir, was dir dabei helfen kann, dein Verhalten an dieser Regel zu orientieren;
      • Erklär mir in der Nachbesprechung, was du versuchen wirst, um dieses Sozialziel schrittweise zu erreichen;
      • Nimm dir X Minuten Zeit und schreibe einen
    Vorsatz-Brief
        :
    Das kann ich tun, um die Regel einzuüben
      .
      • Variante: der Brief wird dann gemeinsam nachbesprochen
      • Variante: der Brief wird dann auch benotet / bewertet
      • Variante: aus dem Brief formulieren wir einen Vertrag: Mein Vorsatz für die kommenden Tage/Wochen. Da braucht es natürlich einen Kontrolltermin
      • Variante: Besprich den Brief zu Hause auch mit deinen Eltern/Erziehungsberechtigten und erkläre, was du dir in der kommenden Woche für Ziele gesetzt hast
  • Zeichne ein Bild mit dem Titel: Was ich versuchen kann, um diese Regel besser einzuhalten.
    • Variante: das Bild wird dann gemeinsam nachbesprochen
    • Variante: aus dem Bild formulieren wir dann einen Vertrag: Mein Vorsatz für die kommenden Tage/Wochen. Da braucht es natürlich einen Kontrolltermin
    • Variante: Besprich das Bild zu Hause auch mit deinen Eltern/Erziehungsberechtigten und erkläre, was du dir in der kommenden Woche für Ziele gesetzt hast

style="margin-left: 90px;" /><em> </em><strong>Zur Wiedergutmachung</strong></p> <ul> <li>Schreibe der verletzten Person einen <strong>Entschuldigungsbrief </strong>und darin auch die Vorsätze für die Zukunft;</li> <li>Mache der verletzten Person ein <strong>Geschenk </strong>als Beigabe zur Anfrage um Entschuldigung; Was könnte als passendes Symbol zur Wiedergutmachung funktionieren?</li> <li><strong>Durch dein Verhalten wurde etwas zerstört: Ersetze den Gegenstand und erfrage bei den geschädigten Personen was es sonst noch braucht zur Wiedergutmachung;</strong></li> <li><strong>Durch dein Verhalten wurde etwas schmutzig gemacht: Zur Wiedergutmachung machst Du eine Reinigungs-Arbeit und erfrage bei den geschädigten Personen was es sonst noch braucht zur Wiedergutmachung;</strong></li> </ul> <p style="margin-left: 90px;">... "o be continued ...;)</p> <p style="margin-left: 90px;">&nbs";</p> <p style="margin-left: 90px;">&nbs";</p>""

Weihnachten, Gerechtigkeit und Solidarität

So ein Weihnachtsfest wünsche ich mir auch heuer wieder und für so ein Weihnachten will ich „arbeiten“:

Zusammensein mit Menschen, die sich vereinen im Gedanken daran, dass wir eine Menschheit sind, und uns ganz konkret und über Grenzen hinweg verbünden müssen gegen ein System das Mauern baut, spaltet, entzweit, kränkt, ertränkt, einsperrt, kriminalisiert, bombt, diskriminiert, verdinglicht, entseelt, entmenschlicht, alles auf Nummern und Zahlen runterbricht … auch alle menschlichen Werte … und den Geschichten ihre Wahrheit (ihr Herz, ihren Sinn, ihre Tiefe) stiehlt.

Weihnachten: Wir wollen ein Fest der Harmonie feiern, der innigen Freude und der Menschlichkeit. Ein Licht ist uns geboren im Jesu-Kind. 

Zugleich kann nichts (nichts als Herzens-Blindheit) über die Tatsache hinweg täuschen, dass Maria heute wie damals Maria = Marjam = Maryama ist. Maryama ist in vieler Hinsicht auch Amina, Fatoumata, Ghazal, Parveen, Precious, Blessing und Radhia… Heute ist sie eine geflüchtete Frau, die in Südtirol als „fuori quota“ kaum Zugang zu Notschlafstellen bekommt. Ihr Kind wird am äußersten Rand unserer Gesellschaft geboren, von Geburt weg als „Ausländer*in“ gesehen, behandelt, bezeichnet, verhandelt. So wird dieses Kind aufwachsen, dessen Licht als Geschenk für die Welt gedacht ist. Es wird einige Jahre lang teilweise noch exotisiert werden … spätestens mit 14 oder 15 Jahren wird sie*er kriminalisiert.

Die Weihnachtsgeschichte ist eine wahre Geschichte, finde ich, so wie die ganze Lebensgeschichte des Propheten der Liebe eine Wahrheitsgeschichte ist. Eine Liebesgeschichte und eine Mobbinggeschichte. In Liebe geboren, Liebe gelebt, Liebe verkündet und dafür gemobbt und letztlich ermordet. Vom Mob. Vom rassistischen_klassistischen Mob und allen, die viel zu lange nichts dagegen getan haben.

Ich glaube nicht, dass diese Geschichte dazu gelebt und erzählt und geschrieben wurde, damit wir sie in Realität immer wieder gleich wiederholen. Ich glaube Gewalt-Geschichten sollen erzählt werden, damit wir sie in der Realität nicht mehr wiederholen! Als Warnungen und Mahnmale. Die Geschichte des Propheten der Liebe, von Anfang bis Ende, verkörpert unsere Verantwortung in Bezug auf Mobbing-Dynamiken heute. Ich glaube die Wahrheit dieser Geschichte liest sich nur mit Herz, Verstand und Zivilcourage.

Daran denke ich wenn jetzt wieder die Geburt Jesu zelebriert wird.

Ich bedanke mich bei allen, die falsche Komfortzonen verlassen (falsche Komfortzonen die sich gerne in den Vorwand der "Tradition" hüllen) um das Weihnachtsfest als Fest der Liebe aber auch der Zivilcourage, des Antirassismus und der Verteidigung der Menschenrechte aller Menschen zu zelebrieren und diese Energie dann mitzunehmen in das Neue Jahr, um daraus Haltung und Handlungen zu entwickeln, im Privaten, in der Arbeit, überall.

Frohe Feiertage und ein starkes, kraftvolles Jahr 2019 im Zeichen der Liebe, der Gerechtigkeit und des couragierten Einsatzes zur Verteidigung der Würde und universalen Rechte aller Menschen!

Ivo Passler
Schulsozialpädagoge SSP Meran Obermais