Weihnachten, Gerechtigkeit und Solidarität

So ein Weihnachtsfest wünsche ich mir auch heuer wieder und für so ein Weihnachten will ich „arbeiten“:

Zusammensein mit Menschen, die sich vereinen im Gedanken daran, dass wir eine Menschheit sind, und uns ganz konkret und über Grenzen hinweg verbünden müssen gegen ein System das Mauern baut, spaltet, entzweit, kränkt, ertränkt, einsperrt, kriminalisiert, bombt, diskriminiert, verdinglicht, entseelt, entmenschlicht, alles auf Nummern und Zahlen runterbricht … auch alle menschlichen Werte … und den Geschichten ihre Wahrheit (ihr Herz, ihren Sinn, ihre Tiefe) stiehlt.

Weihnachten: Wir wollen ein Fest der Harmonie feiern, der innigen Freude und der Menschlichkeit. Ein Licht ist uns geboren im Jesu-Kind. 

Zugleich kann nichts (nichts als Herzens-Blindheit) über die Tatsache hinweg täuschen, dass Maria heute wie damals Maria = Marjam = Maryama ist. Maryama ist in vieler Hinsicht auch Amina, Fatoumata, Ghazal, Parveen, Precious, Blessing und Radhia… Heute ist sie eine geflüchtete Frau, die in Südtirol als „fuori quota“ kaum Zugang zu Notschlafstellen bekommt. Ihr Kind wird am äußersten Rand unserer Gesellschaft geboren, von Geburt weg als „Ausländer*in“ gesehen, behandelt, bezeichnet, verhandelt. So wird dieses Kind aufwachsen, dessen Licht als Geschenk für die Welt gedacht ist. Es wird einige Jahre lang teilweise noch exotisiert werden … spätestens mit 14 oder 15 Jahren wird sie*er kriminalisiert.

Die Weihnachtsgeschichte ist eine wahre Geschichte, finde ich, so wie die ganze Lebensgeschichte des Propheten der Liebe eine Wahrheitsgeschichte ist. Eine Liebesgeschichte und eine Mobbinggeschichte. In Liebe geboren, Liebe gelebt, Liebe verkündet und dafür gemobbt und letztlich ermordet. Vom Mob. Vom rassistischen_klassistischen Mob und allen, die viel zu lange nichts dagegen getan haben.

Ich glaube nicht, dass diese Geschichte dazu gelebt und erzählt und geschrieben wurde, damit wir sie in Realität immer wieder gleich wiederholen. Ich glaube Gewalt-Geschichten sollen erzählt werden, damit wir sie in der Realität nicht mehr wiederholen! Als Warnungen und Mahnmale. Die Geschichte des Propheten der Liebe, von Anfang bis Ende, verkörpert unsere Verantwortung in Bezug auf Mobbing-Dynamiken heute. Ich glaube die Wahrheit dieser Geschichte liest sich nur mit Herz, Verstand und Zivilcourage.

Daran denke ich wenn jetzt wieder die Geburt Jesu zelebriert wird.

Ich bedanke mich bei allen, die falsche Komfortzonen verlassen (falsche Komfortzonen die sich gerne in den Vorwand der "Tradition" hüllen) um das Weihnachtsfest als Fest der Liebe aber auch der Zivilcourage, des Antirassismus und der Verteidigung der Menschenrechte aller Menschen zu zelebrieren und diese Energie dann mitzunehmen in das Neue Jahr, um daraus Haltung und Handlungen zu entwickeln, im Privaten, in der Arbeit, überall.

Frohe Feiertage und ein starkes, kraftvolles Jahr 2019 im Zeichen der Liebe, der Gerechtigkeit und des couragierten Einsatzes zur Verteidigung der Würde und universalen Rechte aller Menschen!

Ivo Passler
Schulsozialpädagoge SSP Meran Obermais